Irsee und Montsûrs: 40 Jahre deutsch-französische Freundschaft
Die deutsch-französische Partnerschaft kennt große Gesten: Im Juli 1962 besuchen Bundeskanzler Konrad Adenauer und Staatspräsident Charles de Gaulle einen Versöhnungs-Gottesdienst in der Kathedrale von Reims, im September 1984 kommt es während einer Gedenkfeier für die Toten der beiden Weltkriege zwischen Helmut Kohl und François Mitterrand zum „Handschlag von Verdun“ und im September 2013 besuchen Bundespräsident Joachim Gauck und Staatspräsident François Hollande gemeinsam Oradour-sur-Glane, wo die Waffen-SS 1944 ein verheerendes Massaker an der Zivilbevölkerung verübte.
Zugleich gibt es eine Vielzahl gemeinsamer Projekte: Als älteste noch heute existierende deutsch-französische Partnerschaft gilt die zwischen Le Mans und Paderborn; sie entstand durch die Verbrüderung zweier fränkischer Bischofssitze im Jahre 836. Das Deutsch-Französische Institut wurde 1948, das Deutsch-Französische Jugendwerk 1963 gegründet, das Deutsch-Französische Zukunftswerk 2020 auf Initiative von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Präsident Emmanuel Macron. Und nicht zuletzt alltäglich zu erleben: Der öffentlich-rechtliche Fernsehsender ARTE wird seit 1991 in deutsch-französischer Kooperation betrieben.
Für den polnisch-amerikanischen Politikberater Zbigniew Brzezinski (1928–2017) ist das deutsch-französische Verhältnis geprägt durch unterschiedliche Interessen – und gemeinsame Abhängigkeiten: Frankreich erhoffe sich eine „Wiedergeburt“ einstiger Größe, Deutschland seine „Erlösung“, weil die deutsch-französische Aussöhnung Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg historisch und moralisch rehabilitiert und damit erst europatauglich gemacht habe.
In der Gemeindepartnerschaft zwischen Irsee und Montsûrs spielt all das kaum eine Rolle, steht nicht die große Politik, nicht die ausladende Geste, nicht die institutionelle Verflechtung im Vordergrund, sondern die persönliche Begegnung: zwischen Feuerwehrleuten und Lehrlingen, zwischen Frankreich-Enthusiasten und Deutschland-Neugierigen – zwischen Menschen wie Du und Ich. Und das seit vierzig Jahren – und bleibt so hoffentlich auch für unsere Kinder und Enkel.
Die Deutsch-Französische Partnerschaft zwischen Irsee und Montsûrs – eine Freundschaft fürs Leben. Das hoffen wir, daran arbeiten wir – und das feiern wir mit diesem Heft.
AUTOR
Simone Dauer, Andreas Wachter, Helga Thamm, Mercedes Leiß
HERAUSGEBER
Stefan Raueiser, Schwäbisches Bildungszentrum Irsee
Christian Strobel, Geschichtswerkstatt Irsee
Broschur | 64 Seiten | Irseer Blätter 16
Schutzgebühr | € 7,00 | -