Irseer Blätter 17

Die ehemalige Irseer Wallfahrtskirche Maria Seelenberg in Eggenthal

Maria Seelenberg steht für das intensive religiöse Leben unserer Vorfahren ab der Schreckenszeit des Dreißig­jährigen Krieges: Von der Errichtung der ersten Kapelle durch glaubenserfüllte Kinder mit Hilfe eines alten Eggenthaler Handwerkers über die einsetzenden Wunder­berichte und die zunehmende Wallfahrt, die Errichtung und die zweifache Vergrößerung der Kirche in wenigen Jahrzehnten, bis zur Installation der „Arme-Seelen-Bruderschaft“, einer kirchlichen Laienorganisation, in der ein großer Teil der Eggenthaler Einwohner, aber auch Menschen aus der nahen und weiteren Umgebung organisiert waren. So werden die engen Beziehungen der früheren Reichsabtei Irsee, zu der Eggenthal gehörte, und der Kapelle selbst wieder in Erinnerung gebracht.
Dass hier für die Wallfahrer mehrere Hauptheiligtümer der katholischen Kirche als Kopien versammelt wurden, so etwa das Schweißtuch der Veronika und das Grab Christi, dass der Doppelaltar der Kapelle eine große Selten­heit darstellt und dass wir mit den Fresken des Eggenthaler Künstlers Franz Xaver Bernhardt ein Werk besitzen, das Beziehungen zur Abtei Ottobeuren und zur Münchner Hofkunst aufweist, ist auch uns in dieser Deutlichkeit bisher nicht bewusst gewesen.
Dass die Kirche bis heute erhalten ist und sich in gutem Zustand befindet, ist zu großen Teilen den Bürgerinnen und Bürgern von Eggenthal zu verdanken: Nach der Säkularisation von 1803 blieb die Kapelle nur dadurch bestehen, dass sie die Gemeinde übernahm und bis heute für den Bauunterhalt sorgt. Große Renovierungen erfolgten 1869, in der Zeit der Weimarer Republik, 1955 bis 1957 und 1982/83. Gerade letztere wurde durch zahlreiche Aktivitäten der Dorfgemeinschaft und einzelner Engagierter wie der Organisation von Dorffesten, Kirchen­führungen und Konzerten unterstützt, um Spenden einzuwerben – sogar die Berliner Symphoniker spielten damals in der Kapelle.

AUTOR

Gerald Dobler

HERAUSGEBER

Stefan Raueiser, Schwäbisches Bildungszentrum Irsee

Christian Strobel, Geschichtswerkstatt Irsee

Broschur | 40 Seiten | Irseer Blätter 17

Schutzgebühr | € 5,00 | -

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